Schottlandreise Tag 14 und 15: Nottingham – Dover

Tag 14: 20.09.2010 Montag

Fuß: 1,1 km     Auto: 222,8 km    Lifts: 2     Wartezeitca. 15 Stunden


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Die Sonne scheint und das Sockentier hat recht behalten: es hat die letzte Nacht nicht geregnet. Die Zelte sind komplett trocken. So macht das Abbauen Spaß! Schnell ist alles zusammengeschnürt und aufgesattelt. Über eine Abkürzung geht es zurück zur Servicestation. Wir füllen die Vorräte erneut auf und versorgen uns mit Cheddar, Wasser, Orangenlimo, Schoko- und Erdbeermilch. Diesmal schmeckt der Cheddar sogar nach Cheddar. Mjamm. Ich nehme noch ein paar Bonbons mit. Der Socke sind sie zu süß. Dabei gibt es „zu süß“ doch gar nicht…

etwa 500m weiter, liegt die Start- und Landebahn des Flughafens

unbedeutende Rechtschreibfehler

Die Milch leeren wir auf dem Parkplatz zur Hälfte und gehen dann zu den Kreisverkehren. Erst haben wir wenig Erfolg, doch nach einem Umzug… *pöff* … ein 33 Tonnen Truck. Unser erster „richtiger“ Truck. Der Fahrer ist halb Brite und halb Jamaikaner, ein echtes Unikat mit Goldzahn, ein Kiffer, wie er im Buche steht. Er raucht beim Fahren das selbst angebaute Weed seines Freundes. Selbstverständlich ist er auch nicht angeschnallt. Seinen Worten nach schert er sich nicht um Gesetzte. Das einzige Gesetz, welches für ihn zählt ist, dass andere nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Er erzählt uns, dass Truckfahrer eigentlich niemanden mitnehmen dürfen. Doch er nimmt jeden mit, der nicht so aussieht, als würde er ihn verpfeifen. Deshalb hat uns also noch kein Truckfahrer mitgenommen.

Socke sitzt gemütlich auf der Bett-Sofa-Kombination. Neben ihm sind die Rucksäcke halb versteckt aufgestapelt. So gehen die Themen vom Rauchen über Bikes, Autos, Fahrstile, Krieg, Witze und britischen Humor.

British people are like the british weather.

So tuckern wir zwei Stunden gemütlich durch die Landschaft bis zur A25, dem Autobahnring um London. Dies ist mit Abstand unsere unterhaltsamste Fahrt überhaupt. Irgendwo um London setzt er uns an einem Kreisverkehr ab. Socke bekommt zum Abschied sogar ein Feuerzeug zum Stopfen geschenkt. Nach einem stärkenden  Frühstücksmittag geht es wieder an die Straße. Warten… Warten… Nach einer Stunde hält eine Christin an. Mit etwas Mühe quetschen wir uns inklusive Rucksäcken in das kleine Auto. Ein wenig durcheinander und mit einem recht unsicherem, typisch britischem Fahrstil folgen wir dem Ring um London. Die Lieder eines christlichen Freundes hörend, geht es bis zur Kreuzung M24, A2. Ich bin recht froh aus dem Auto zu kommen. Der Geruch im Auto war doch ziemlich unangenehm. Eine Mischung aus Schweiß und Parfüm. Socke hat seltsamerweise gar nichts davon mitbekommen.

In London beginnt der Horror. Wir warten stundenlang am Kreisverkehr. Niemand hält an und es wird dunkel. Zelte aufschlagen ist am Rand von London nicht möglich. So warten wir weiter. Ab und an gehen wir zur Tankstelle und versuchen dort unser Glück. Allmählich wird es kalt und der Verkehr nimmt immer weiter ab. Es ist sternenklar und ein fast kreisrunder Mond steht am Himmel. Füchse rennen über die Straße und wir sitzen zu zweit spät in der Nacht auf der Leitplanke an einem Kreisverkehr in London und versuchen weiterzukommen. Es wird noch kälter. Inzwischen haben wir fast alles angezogen, was wir mit haben. So spinnen wir den Fahrer weiter, von dem es am unwahrscheinlichsten ist, mitgenommen zu werden (ein nackiges Weibchen, in einem BMW, welcher zu einem Bully umgebaut ist, gut aussehend, jung, hübsch, attraktiv, mit viel Platz, fährt in unsere Richtung und hat Lust uns mitzunehmen…). Haha. Stattdessen ist nachts in London mehr Polizei unterwegs ist, als alles andere. Wir vermuten, sie spielen Fanger oder machen sich über Funk lustig… oder so.

Hey, schau doch mal nach, ob die zwei Tramper immer noch da sitzen!

An der Tankstelle holen wir uns 4 Dosen Guinness und einen Kaffee fürs Schaf. Socke möchte nur Bier. So überstehen wir die vielen Stunden nach Mitternacht.

Jaaaa, da wollen wir lang....

Guinness, Kaffee, Schild und Kreisverkehr. Was braucht man mehr?

 

Tag 15: 21.09.2010 Dienstag

Fuß: 12,4 km     Auto: 37,0 km    Bahn: 52,2 km    Lifts: 2     Wartezeitca. 7 Stunden


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Einige Zeit später fängt es an zu dämmern und endlich, halb erfroren und nach 13 Stunden warten, nimmt uns ein Tischler mit. So gelangen wir bis zum nächsten Service. Das sind leider nur ein paar Kilometer. Die Zeit reicht nichtmal aus, um sich aufzuwärmen. Doch allmählich geht die Sonne auf. Diesmal werden wir von einem alten Kauz aufgesammelt. Er brüstet sich als aller erstes mit seinen Selbstverteidigungskünsten. Ziemlich abrupt lässt er uns mitten an einer Ausfahrt raus. Sehr sehr seltsam… Nun sind wir etwa 50 km vor Dover. Wir warten. Wechseln die Straßenseite. Warten. Wechseln unser Schild. Warten. Nichts hilft. Gar nichts. Viele Autos kommen vorbei. Doch es hagelt nur negative Reaktionen, wenn überhaupt. Einmal wird sogar eine Plasteflasche mit Milch nach uns geworfen. Die Polizei verweist uns vom Mittelstreifen der Landstraße zum Straßenrand und sperrt sogar kurz für uns die Fahrbahn.

Socke macht eine Verkehrserhebung... nein, eigentlich wartet sie nur seit vieeeelen Stunden.

Gen 15 Uhr nach 6 Stunden erneutem warten ist unsere Geduld am Ende. Bus? Bus! Doch was kostet der? Wir haben schließlich nur noch £ 4,68. Als der Bus ankommt, fragen wir den Fahrer, was eine Fahrt bis zum nächsten größeren Ort kosten würde. Puh £ 4 pro Person… Das wird so nichts. Also müssen wir doch laufen. Wir tappen durch die Sonne und trinken unsere zweite Dose Guinness, die wir noch von der Tankstelle übrig haben. *seufz… das hat irgendwas* Quatschend geht es bis nach Sittingbourne. Die schnellste Verbindung nach Dover scheint der Zug zu sein. Also beißen wir in den sauren Apfel und heben £ 30 ab. So fallen neben dem Zugticket (für je £ 11,30) noch zwei Veggieburger für Socke und Fish&Chips für’s Schafi ab. Was für eine riesige Portion Chips! Obwohl es nur eine „regular“ Portion sein soll, sind wir selbst zu zweit damit überfordert. Im Zug sitzend dösen wir fast ein. Die Beine sind bleischwer. Als wir in Dover aussteigen, ist das Laufen richtig anstrengend und die Pfötchen schmerzen. Leider ist es auch diesmal wieder dunkel und so sehen wir die Kreidefelsen nur schemenhaft.

Als wir am Hafen ankommen… ohje… hat das Ticketoffice für „Foot Passsengers“ schon geschlossen. Nur noch Autos kommen auf die Fähren. Andere Leidensgenossen warten auch oder versuchen einen Lift zu bekommen. Erfolglos. Es ist immer weniger los. Socke versucht es mit der Ansprech-Taktik bei den wenigen Fahrern, die das Schild übersehen haben, dass das Ticketoffice und die Travelerslounge schon geschlossen haben. Ebenfalls erfolglos.

Nun sitzen wir in der „Arrivals-Lounge“. Es ist wenigstens warm. Socke zeichnet und ich schreibe Tagebuch. Gen 6 Uhr soll es weitergehen. Mal sehen. Wir freuen uns schon so sehr auf einen Campingplatz und erfrischendes Duschen. Nach nunmehr 40 Stunden könnte man auch mal wieder schlafen. Schlafen? *eindös*

Wartezeit gesamt: ca. 22 Stunden + 4 Stunden am Ticketoffice in Dover

Socki zeichnet & Schafi hat zwei Tische für das Tagebuchschreiben gestapelt

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