Schottlandreise Tag 2: Osnabrück – Utrecht

Tag 2: 08.09.2010 Mittwoch

Fuß: 4,77 km     Auto: 221,1 km     Lifts: 3     Wartezeit: ca. 5 Stunden


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Die Nacht neben der Autobahn war nicht gerade die geräuschärmste. Doch wie sich die nächsten Tage herausstellen wird, sollten wir uns langsam daran gewöhnen. Nachdem wir die Zelte abgebaut haben und es einen tollen Instantkaffee gab, laufen wir erst einmal zum Lidl. Zum Frühstück gibt es ein Kilo Kartoffelsalat (die Packung muss schließlich alle werden, die will niemand tragen müssen) und die Rucksäcke sind nun mit neuem Wasser, Brot und Käse wieder schwerer. Gestärkt stellen wir uns an die Straße und hoffen auf eine Mitnahme. Und hoffen, und hoffen und hoffen… Regen, Wind… Kalt und nass… Erbarmen! :-D

Keine zwei Stunden gewartet geht es in einem VW Passat bis nach Rheine. Das Schönste daran ist, dass wir endlich aus dem Wetter heraus und im warmen Auto sind. Doch viel zu schnell werden wir an einer ziemlich ungünstigen Stelle herausgelassen. Es kommen zwar sehr viele Autos vorbei, aber keiner will uns mitnehmen. Das Wetter ist auch nicht besser, als in Osnabrück.

Wir stehen diesmal schon über zwei Stunden. Wieder regnet es und gerade als wir an der Stelle aufgeben wollen, hält ein kleiner polnischer Bus. Sechs Polen, die für drei Monate Urlaub in den Niederlanden machen wollen, sind bereit uns mitzunehmen. Irgendwie ist das schon seltsam, wenn man zwei Stunden an der Straße steht und man letztendlich nicht von Deutschen mitgenommen wird…

Die Musik im Bus ist gut (irgendeine Mischung aus polnischer Volks- und Popmusik – mal etwas völlig anderes), aber wir haben massive Verständigungsprobleme. Socki hat sich ganz hinten auf einen Sitz verkrochen und ich darf neben dem Fahrer sitzen. Der Fahrer kann ungefähr 3 Brocken Deutsch und 2 Brocken Englisch, was die Kommunikation nicht zwangsläufig vereinfacht. Nach vielen Versuchen, kann ich ihm sogar begreiflich machen, dass wir nach Amsterdam fahren wollen. Sicherlich sind dies sehr nette Leute und sie schenken sogar jedem von uns eine Sprite. Aber da wir kaum etwas verstehen, fühlen wir uns unwohl und sind die ganze Fahrt über angespannt.

Irgendwann fragt mich der Fahrer, was ich denn von den Deutschen halten würde: „Gut oder Schlecht?“
Ich war von der Frage etwas überrumpelt. Was soll ich als Deutscher schon dazu sagen? Also mache ich eine eher unentschlossene Geste: „Naja, eher gut.“
Daraufhin macht er einen Hitler-Gruß und eine Hilter-Bärtchen-Geste: „Neeee, Deutsche schlecht.“
„Aber das ist schon lange her“, versuche ich die Lage etwas zu entspannen. Weitere Diskussionen waren dann auf Grund der Verständigungsprobleme nicht möglich und so wirklich weiß ich bis heute nicht, ob er wusste, dass wir Deutsche sind. Eigentlich muss er es gewusst haben.

Bei Apeldoorn erreichen wir schließlich wohlbehalten eine Raststätte. Die erste Grenze haben wir also passiert und sind nun in den Niederlanden!

kurze Stärkung und ein paar Fotos (jaha, das sind niederländische Schilder *g*)

Auf dem Rastplatz stärken wir uns mit Pommes bei Burger King (die angezahlten 50 Cent vom Klo wollen genutzt werden), Käse und Brot. In der anschließenden Lageberatung verwerfen wir Amsterdam als eines unserer Etappenziele. Wir denken, dass es zu schwierig wäre, wieder aus Amsterdam herauszukommen und auf die richtige Autobahn zu gelangen. So soll es nun gleich über Utrecht Richtung Belgien gehen. Doch irgendwann werden wir Amsterdam nachholen… Vielleicht nicht gerade trampend.

Innerlich haben wir uns schon auf einen längeren Aufenthalt an dem Rastplatz eingestellt, da er nicht sonderlich gut befahren ist. Doch weit gefehlt. Ein nettes Rentnerpaar, etwa um die 65, mit perfektem Oxford English sammelt uns auf und so kommen wir schnell bis Utrecht. Da es gerade wie aus Kannen gießt, bieten sie uns sogar noch eine Übernachtungsmöglichkeit an.

Hey booooooys, it’s getting dark outside. Pretty fast!

Da es aber schnell wieder aufklart und ihr Weg für uns nicht günstig liegt, lehnen wir dankend ab. Ein bisschen haben wir auch Angst, dass sie uns noch Essen anbieten oder gar Frühstück machen würden. Ziemlich sicher sogar… Aber auch diese Entscheidung offenbart uns wieder neue Möglichkeiten.

wunderschöner Himmel

riesen Schleusentore

die ersten Schafe *leucht*

Wir können die Schleuse bei Utrecht vom Lekkanal bestaunen, tolle Fotos machen und die schöne, friedliche und ruhige Landschaft genießen. Ein wenig fühlen wir uns schon im Urlaub. Die Umgebung wirkt tatsächlich sehr ruhig. Kein Verkehrslärm, kaum Menschen, weite grüne Felder und Wiesen.

Socke: Hier scheint die Welt noch in Ordnung zu sein.

Eine Spaziergängerin meint, dass ein Campingplatz in der Nähe sein soll. Doch nach langer Suche geben wir auf und verkriechen uns in ein kleines Wäldchen. Als wir gerade die Zelte aufbauen wollen, erscheint neben uns eine Kuh (*muh*) und sprang umher (ja wirklich). Die Socke bekommt es etwas mit der Angst zu tun und so transportieren wir die Zelte und den schon heißen Kocher ein paar Meter weiter vom Weidezaun weg. Ob Socke mal schlechte Erfahrungen mit Kühen gemacht hat? Traumatische Erlebnisse in der Socken-Kindheit? Ich denke ja, dass Kühe keine Sockenfresser sind. Höchtens in Notfällen, wenn nichts anderes vorhanden ist…

Nach dem Essen, verschwinden wir in die Zelte und schlummern schnell ein.

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