Schottlandreise Tag 1: Paderborn – Osnabrück

Tag 1: 07.09.2010 Dienstag

Fuß: 4,5 km     Auto: 138,9 km     Lifts: 4     Wartezeit: ca. 3 Stunden 25 Minuten


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Für mein Empfinden viel zu früh, stehen wir gen 12:00 Uhr auf. Am Vortag bin ich mit dem eigenen Auto bis Paderborn gefahren. Heute soll es nun endlich losgehen. Wir packen die letzten Sachen ein, basteln unser erstes Schild und vertäuen die Schafe am Rucksack (Feenschaf, Alinaschaf und Schaf). Wenige Stunden später sind wir startklar und es geht los. Schon nach den ersten paar Metern stellen wir fest:

Die Rucksäcke sind aber schwer und es geht ganz schön in die Beine…

Quer durch Paderborn gelangen wir schließlich zur Bundesstraße, die zur Autobahn führt. Zugegebenermaßen haben wir auch schon geschummelt und das GPS genutzt. Dabei wollten wir doch darauf verzichten…

Skepsis, ob wir das wirklich machen wollen

An der Straße stehend, noch etwas schüchtern das Schild haltend, werden wir relativ schnell mitgenommen. Zwar nur ein kleines Stück näher an die Autobahn, aber immerhin unser erster Lift!
Doch nun beginnt das Warten. Bevor uns der Nächste mitnimmt, stehen wir geschlagene zwei Stunden an einem gut befahrenen Kreisverkehr, kurz vor der Autobahn. Uns wird schon allmählich kalt und Nieselregen versüßt das Warten. So kristallisieren sich aber schnell die häufigsten Gesten der vorbeifahrenden Autofahrer heraus:

  • Schulterzucken & Hände in die Luft strecken:
    „Ich habe doch gar kein Auto!“ (vermutlich der Spruch des Urlaubs)
  • mit dem Finger auf den Boden zeigen:
    „Ich bleibe hier im Ort.“
  • Kopfschütteln:
    „Neeeee, sowas nehme ich nicht mit…“
  • mit dem Finger in eine andere Richtung zeigen:
    „Ich fahre (leider / glücklicherweise)  woanders hin.“
  • keine Reaktion oder komisch schauen:
    „Hoffentlich ist das nicht ansteckend!“

Aber nicht, dass eine falsche Vorstellung aufkommt. Viele Reaktionen sind positiv und wohlwollend. Freundliches Winken, Daumen nach oben, Lächeln…
Wie gesagt, nach zwei Stunden warten werden wir endlich mitgenommen. Eigentlich wollte der Fahrer gar nicht so weit der Autobahn folgen, aber:

Man soll ja jeden Tag eine gute Tat tun.

In gemütlichem Tempo (er lässt ab und an das Lenkrad los) geht es bis zu einer kleinen Tankstelle und Rastplatz bei Herford.

leider ging das schöne Schild schon bald verloren

Kaum vom Klo zurück, standen wir noch gar nicht richtig neben den Tanksäulen und schon werden wir von einem sehr netten Typen in einem Sprinter mitgenommen. Diesmal schaffen wir es bis Bad Oeyenhausen.

Sein Vater hatte mal einen Tramper über eine längere Strecke mitgenommen und hatte selbst irgendwann keine Lust mehr weiterzufahren und war müde. So ließ er den Tramper fahren und schlief selbst. Später, nachdem der Tramper ausgestiegen war, stellte er fest, dass seine Brieftasche fehlte.

Wenige Wochen später klingelte die Polizei bei ihm und zeigte ihm ein Foto von einer toten Frau. Sie fragten, ob er sie kennen würde, man hätte seinen Ausweis bei ihr gefunden.

In Bad Oeyenhausen kommen wir kurz vor 20:00 an, kaufen schnell noch zwei Tomaten, zwei Bananen und Brot ein. Nach kurzer Verpflegungs- und Futterpause stellen wir uns wieder an die Straße. Inzwischen wird es schon dunkel. Doch nach einer guten halben Stunde unter einer Laterne stehend, kommt von hinten jemand mit grellgelber Regen-Arbeitskleidung an. Es geht also diesmal in einem alten Mercedes-Bus weiter. Seltsamer Fahrer, seltsamer Fahrstil, aaaaaaltes Auto. Er erzählt uns sein halbes Leben. Dritte Ehe, adoptiertes Kind, arbeitslos, kauft, baut und verkauft motorbetriebene Fahrräder, Tricks, wie man das Arbeitsamt ausbeuten kann usw. usf.
Wir kommen trotzdem gut in Osnabrück an. Nur ein kleiner Riss in Sockis Zeltverpackung bleibt, als Erinnerung zurück. Eine gemeine Säge im Auto wollte sich wohl verewigen.

Heute werden wir nicht mehr weitertrampen. Es ist inzwischen schon recht spät. Ein paar Meter weiter finden wir schnell einen schönen und gut versteckten Schlafplatz. Einziger Nachteil… er ist keine 30 m von der Autobahn entfernt: „WHUSCH“! Socke hat ein neues Zelt und muss es gleich im Dunkeln das erste mal aufbauen. Aber irgendwie klappt auch das. Nach einer Buchstabensuppe geht es auch schon ins Bett. Gute Nacht.

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