Liara 1: Die Kerze

Nur eine einzelne Kerze spendet spärlich Licht und lässt die andere Hälfte des Raumes im Dunkeln liegen. Die Luft ist vom staubigen schweren Duft alter Bücher erfüllt. Bücher, die bis an die Decke gestapelt sind, gehüllt in lederne Einbände, dazu verdammt, für immer zu schlafen.

Es ist vollkommen still. Doch plötzlich bringt ein Lufthauch die Kerze zum flackern, eine huschende Bewegung. War es vielleicht nur Einbildung? Erstarrt hält Liara den Atem an. Hoch oben auf einem der staubigen Bücherregale sitzt die kleine Fee angespannt und lässt das flackernde Licht nicht aus den Augen. Irgendetwas scheint im Wandel begriffen. Gestern war die Kerze noch nicht da und erst recht nicht dieses fremde Licht im Raum. Die Zeit streicht dahin ohne eine neue Regung. Inzwischen hat sich die Flamme wieder beruhigt, kein Flackern mehr. Liara richtet sich auf und schwebt lautlos einige Regalböden tiefer, um sich gleich wieder hinter einer herrausgerissenen Seite zu verstecken. Sie muss näher herankommen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Denn allmählich rennt ihr die Zeit davon, sie dürfte gar nicht hier sein. Doch wäre dieser alte Raum nicht ihr Zufluchtsort gewesen, hätte sie das Mysterium nie entdeckt.

Mit einem Zischen erlischt die Kerze. Vollkommene Dunkelheit breitet sich aus und Liaras Herz fängt an zu rasen.

… weiter geht es bei Socke: „Die Jagd“

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